19. Oktober 2026

Zeit ohne Zeugen

Am Dienstag, den 13. Oktober 2026, hat uns der deutsch-israelische Schriftsteller und Filmemacher Ron Segal besucht. In einer 90-minütigen Lesung und Präsentation einer Filmsequenz hat er sehr eindrücklich gezeigt, was es für eine Gesellschaft bedeutet, wenn die Zeitzeugen zunehmend verschwinden und die Erinnerung unscharf wird. Der demenzkranke Protagonist seines Buches „Jeder Tag wie heute“ hält vergeblich an den Erinnerungen an seine große Liebe fest. Diese Erinnerungen sind aufs engste mit der Katastrophe der Schoah verknüpft und verblassen zunehmend.

Ron Segal versinnbildlicht mit dieser Geschichte, dass wir nur durch das Erinnern unsere Geschichte lebendig halten und uns der Verantwortung stellen können, dass sich große Fehler der Geschichte nicht wiederholen. Was mit dem Gedenken einzelner Schicksale beginnt, zieht doch viel weitere Kreise und betrifft uns alle in einer Zeit ohne Zeugen. 


Sk, Oktober 2026

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