Die Mitglieder des English Drama Club haben sich schon oft als Familie bezeichnet. Eine leicht verrückte, chaotische Familie, aber eben eine Familie, die sich trotz aller Unterschiede liebt. Und niemand könnte das Stück „Alice in Wonderland“ besser präsentieren als diese diverse Ansammlung von Menschen.
Nibs Füller spielte die verwirrte, zornige und teils wütende Alice überzeugend und textsicher, obwohl sie noch vor wenigen Wochen mündliche Abiturprüfungen ablegen musste. Vanessa Volpp verzauberte als mysteriöse Cheshire Cat das Publikum, unter anderem mit ihren in den Umhang eingebauten Spezialeffekten. Eveline Matejevski besaß als Duchess eine sehr grazile Art, aber am besten waren diese beiden Schauspielerinnen jedoch als Tweedledee und Tweedledum. In dieser Szene hat man einfach gemerkt, wie eng diese beiden Personen sich stehen und wie exzellent sie sich ergänzen.
Aufbrausend, fulminant und anziehend, egal ob als Mad Hatter oder als White Knight: Ben Gaugel zog das Publikum wie jedes Jahr in seinen Bann. Auch Multitalent Josefine Wittlinger überzeugte als Köpfe-rollen-liebende Königin und zeigte, wie personifizierte Wut aussehen kann. Christian Canz schaffte es auf famose Weise richtig niedergeschlagen zu wirken und Antoine Sá Pereiras Mimikspiel war in diesem Jahr ganz besonders beeindruckend. Auch Jana Schmidt entlockte dem Publikum als schläfrige Dormouse einiges an Empathie. Maria Dal Molin beeindruckte in verschiedensten Rollen von Alice bis zu einer Spielkarte und Sina Steinwedel war als Caterpillar ganz wunderbar. Egal welches Geschlecht oder gar ob süffisanter Greif: Emilian Dörrer hauchte sehr viel Leben in die Szenen bei denen er mitwirkte. Sobald Karl Krause als White Rabbit auf die Bühne gehoppelt kam, wurde man beim Zuschauen ganz nervös und schaute unfreiwillig auf die Uhr, da er als gehetzter Hase vermochte, eine gewisse Rastlosigkeit in den Zuschauern auszulösen. Komplettiert wurde die Gruppe von vielseitigen Jokern wie Jemina Frank, Lotta Biel, Janina Elmer, Sofia Braun und Aurelia Beichle, die gekonnt unterschiedlichste Rollen darzustellen vermochten.
Anpassungsfähig, liebenswürdig, genial; wandelbar wie wunderbar: Das ist die „Crazy Family“ des HGÖ‘s. Und dieser Familie hatte sich in diesem Schuljahr Laura Bullinger als neue Ersatzmama angenommen, denn Karin Below verschwand für dieses Jahr ins Sabbatjahr (war aber natürlich zur Premiere wieder im Lande). Die Schuhe, die Karin Below hinterließ, waren nicht gerade klein, doch Laura Bullinger schlüpfte hinein und mit Hilfe der Mitglieder dieser englischen Theatergruppe füllte sie diese zum Schluss vollkommen aus und präsentierte an zwei Abenden ein wunderschönes Stück, das viele Zuschauerherzen mit Freude erfüllte.



















We, Juli 2026