28. Juli 2026

Moby Dick

Moby Dick ist ein ziemlich langes Buch und auch die von Ulrich Hub adaptierte Theaterversion ist nicht gerade das, was man als kurze und leichte Kost bezeichnen könnte. Dennoch hat es die Deutsch-Theater AG um Katja Giehl mal wieder geschafft, etwas Besonderes auf die Bühne zu zaubern.

Das Stück fing damit an, dass die Meere, gespielt von Sarah Swoboda, Ida Milchl und Emma Wenczel, von sich erzählten. Begleitet wurden sie von den beiden Schiffen Elisabeth Sander und Hilda Gneuß. Alle fünf schafften es auf charmante Weise die Menschen in ihren Bann zu ziehen, genau wie Meere und Schiffe das so vermögen. 

In nichts nach standen ihnen Silas Oberndörfer und Pauline Matscheko, die beide einen vom Wahn getriebenen Kapitän Ahab verkörperten und dem Publikum eine so rauchige, wutentbrannte Stimme entgegenschmetterten, dass nach dem zweiten Tag auf der Bühne die Befürchtung im Raum stand, es könne keine dritte Aufführung geben, da die Stimmbänder heftigen Protest anmeldeten.

Doch die Hauptrollen konnten nur so glänzen, da es auch brillant gespielte Nebenrollen gibt, die sie unterstützten. Klara Blachut, zunächst als Mensch, später Teil des Meeres, präsentierte mit ihrem Gestik- und Mimikspiel eine herausragende schauspielerische Leistung. Janina Elmer verzauberte als (gute) Seele und versuchte, unter den Seemännern und Meeren Vernunft und Menschlichkeit zu vermitteln. Emilian Dörrer als Stubb war gekonnt im Anschnauzen seiner Crew, ebenso wie im Erlegen von Walen. Eileen Horvath als Starbuck stellte sich entschlossen Kapitän Ahab in den Weg und immer, wenn Maria Walther als Flask zu sprech…äh…schreien anfing, wurde das Publikum hellwach, sowohl von ihrer Lautstärke als auch von dem überschwänglichen Gebaren. Aber auch der süße Wahnsinn des kleinen Pips, der einmal zu oft ins Wasser stürzte, wurde von Sofia Braun empathisch in Szene gesetzt. Die Seemänner Elilah Schenker, Heidi Steinwedel, Carlotta Gogel hatten leider nur wenig zu sprechen, aber das, was sie verkündeten, wurde überzeugend rübergebracht. Paul Marinkovic und Lea Seiler brachten als Sieben Segel oder als Seemänner das Publikum oft zum Schmunzeln und Arina Schulz als Queequeq war als „Kannibal“ einerseits lustig, aber dann vermittelte sie auch wieder leichtes Unbehagen. 

Moby Dick, imposant in Szene gesetzt durch vier anmutig und komplett in weiß gekleidete junge Damen, kam immer wieder an die Bühne geschwommen. Paula Blachut, Sina Steinwedel, Salome Matscheko und Luisa Wais, in blaues Licht getaucht, vermittelten zu viert die geheimnisvolle Anmut, die Moby Dick genau als das darstellte, was er ist: Ein mysteriöser Wal, der sich noch nicht mal annährend von einem in den Wahnsinn getriebenen Kapitän beeindrucken lässt.

Erwähnt werden sollten auch die im Hintergrund agierenden Souffleusen Marie-Christin Kübler, Adeline Ziegler, Emelie Kalcher und Carla Sattelmayer sowie Paulina Könich, die für die Technik zuständig war. 

Wenn man Katja Giehl am Ende eines jeden Schuljahres antrifft, scheint sie ähnlich manisch wie Kapitän Ahab zu sein: Sie ist rastlos, wirkt mehr als nur ein bisschen übermüdet und scheint wie besessen davon, sich nicht von dem, was ihr bevorsteht, besiegen zu lassen. Ist also die Theater-AG Katja Giehls Moby Dick?

Nein. Denn im Gegensatz zu Kapitän Ahab schafft Katja Giehl es, ihren weißen Wal immer und immer wieder zu erlegen und das unter tosendem Applaus auf der einen und mit rührenden Tränen von Schüler*innen auf der anderen Seite. Das Hohenlohe-Gymnasium ist schon gespannt, welchen Moby Dick Katja Giehl das nächste Jahr auf der Bühne erlegen wird.


We, Juli 2026

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